CDU Westerwald erinnert zum 150. Geburtstag Adenauers an dessen Vermächtnis
Mit einer feierlichen Gedenkveranstaltung an der Konrad-Adenauer-Gedenkstätte auf der Nistermühle bei Hachenburg hat die CDU Westerwald den 150. Geburtstag des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt. Gemeinsam mit Ralf Seekatz MdEP, Harald Orthey MdB, Janick Pape MdL, Dr. Stephan Krempel sowie zahlreichen lokal engagierten Christdemokraten legte die CDU-Kreisvorsitzende Jenny Groß MdL eine Blumenschale nieder.
Die Erinnerungsstätte, die der CDU-Kreisverband vor 50 Jahren errichten ließ, befindet sich an jenem historischen Ort, an dem sich Konrad Adenauer im September 1944 vor den Nationalsozialisten versteckt hielt, bevor er verhaftet und in das Gefängnis Brauweiler bei Köln gebracht wurde.
Jenny Groß: Demokratie verteidigen
In ihrer Ansprache erinnerte Jenny Groß MdL an Adenauers mutige Haltung im Widerstand gegen das NS-Regime und würdigte ihn als eine der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Adenauer habe sich mit großer Entschlossenheit für ein freiheitliches, demokratisches und wiedervereinigtes Deutschland in einem geeinten Europa eingesetzt. Als Vorsitzender der CDU Deutschlands formte er die Partei zu einer Volkspartei, die Menschen unterschiedlicher Konfessionen, gesellschaftlicher Gruppen und beruflicher Hintergründe zusammenführte.
Der heutige Besitzer der Nistermühle, Klaus Victor, zeigte sich erfreut darüber, dass die Geschichte Adenauers – trotz ihres düsteren Hintergrunds – bis heute mit dem Ort verbunden bleibt. Viele Wanderer hielten regelmäßig an der Gedenkstätte inne, um sich mit diesem Kapitel der Zeitgeschichte auseinanderzusetzen. Seine Tochter Rebekka Victor gab einen kurzen historischen Überblick über die Mühle und die Ereignisse im September 1944. Unter dem Decknamen „Dr. Weber“ hatte Adenauer damals in der abgelegenen Mühle im Nistertal Zuflucht gesucht, bevor er von den Nationalsozialisten im Räucherkamin auf dem Dachboden entdeckt wurde.
Jenny Groß erinnerte zudem an den im November 2025 verstorbenen Gerhard Krempel, ehemaligen CDU-Kreisvorsitzenden und Mitinitiator der Gedenkstätte. Krempel habe einst scherzhaft angemerkt, Adenauer sei im Räucherkamin „so schwarz“ und „so alt“ geworden – „gut geräuchert eben“. Die CDU Westerwald sei ihm für seine Initiative dankbar, die vor 50 Jahren zur Schaffung eines dauerhaften Erinnerungsortes geführt habe. Ihr Dank galt ebenso der Familie Victor, die die Gedenkstätte bis heute pflegt.
Bundestagsabgeordneter Harald Orthey hob in seiner Rede hervor, dass Adenauer beim damaligen Mühlenbesitzer Josef Roedig als Verfolgter Schutz gefunden habe. Roedig habe nicht nach dem Risiko gefragt, sondern aus Menschlichkeit gehandelt. „Dass wir heute in Frieden und Freiheit leben, ist nicht selbstverständlich“, betonte Orthey. „Es ist das Erbe von Menschen, die wie Adenauer durch das Dunkel gegangen sind und danach die Kraft hatten, unser Land neu aufzubauen.“
Mit Blick auf die aktuelle Weltlage stellte Orthey die Frage, wie Adenauer wohl heute reagieren würde. Er sei überzeugt, dass der „Alte“, wie Adenauer liebevoll genannt wurde, nicht verzagen würde. Vielmehr würde er dazu mahnen, Ruhe zu bewahren und den moralischen Kompass nicht zu verlieren. Freiheit bedeute Arbeit, so Orthey weiter. Adenauer würde daran erinnern, das Verbindende über das Trennende zu stellen und die Werte des Grundgesetzes entschlossen zu verteidigen.
Harald Orthey: Mahnmal der Geschichte und Ort der Hoffnung
Die Nistermühle sei daher nicht nur ein Mahnmal der Geschichte, sondern auch ein Ort der Hoffnung, sagte Orthey. Sie zeige, dass es selbst in dunkelsten Zeiten Menschen wie Josef Roedig gebe, die das Licht der Menschlichkeit bewahren.
CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Karl-Heinz Boll begrüßte bei der Gedenkfeier auch den jüngsten Sohn der damaligen „Haustochter“ Maria Bonacker, Hermann Bonacker, und dessen Frau Donna, die von der Familie Victor als Überraschungsgäste eingeladen worden waren. Maria Bonacker hatte 1976 bei der Errichtung der Gedenktafel als Zeitzeugin über Adenauers Aufenthalt berichtet. Gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann hatte sie 1949 den Mühlenbetrieb vom kinderlosen Ehepaar Roedig übernommen, bevor die Familie Victor 1960 den landwirtschaftlichen Betrieb erwarb.